Die kanarische Lucha ist die einzige präkolumbianische Sportart, die in Spanien noch in ihrer ursprünglichen Form ausgeübt wird. Es ist seit der Zeit der Guanchen bezeugt und wurde durch die Eroberung von 1496 nicht unterbrochen: Die Konquistadoren integrierten es in lokale Feste, anstatt es zu verbieten. Heute ist es der offizielle Nationalsport der Kanarischen Inseln, der in Schulen unterrichtet und in regelmäßigen Meisterschaften organisiert wird.
Nichts an Lucha ähnelt westlichem Boxen oder Wrestling. Keine Schläge, keine längeren Bodenhaftungen. Der Kampf verläuft in wenigen Sekunden voller Gleichgewicht und Ungleichgewicht.
Im Terrero, einem Kreis aus Sand mit 10 Metern Durchmesser, stehen sich zwei Ringer gegenüber. Jeder packt den anderen am Hosenboden (der Manga). Das Ziel besteht darin, Ihren Gegner dazu zu bringen, den Boden an einem beliebigen Körperteil außer den Füßen zu berühren.
Ein Kampf wird in drei Durchgängen (Bregues) gespielt. Derjenige, der die anderen zwei von drei Malen niederschlägt, gewinnt den Kampf. Jedes Team (Bando) stellt 12 Wrestler auf, und aufeinanderfolgende Konfrontationen bestimmen das Gewinnerteam.
Lucha basiert ausschließlich auf der Technik: Fußplatzierung, Ablesen des Schwerpunkts des Gegners, Timing des Wechsels. Schwerere Ringer haben keinen systematischen Vorteil.
Lucha existiert neben zwei anderen Praktiken, die aus vorspanischer Zeit stammen. Das juego del palo ist ein traditioneller Stockkampf, der in präzisen Techniken festgeschrieben ist und noch immer auf Dorffesten praktiziert wird. Der salto del pastor ist ein akrobatischer Sprung mit einem langen Stock (garrote), der ursprünglich zum Abstieg von Schluchten mit Herden verwendet wurde. Diese drei Disziplinen sind unter dem Namen deportes autóctonos canarios zusammengefasst und werden von der Regionalregierung gefördert.
