Sie betreten eine Bar auf Teneriffa. Die Kaffeekarte ist ein Rätsel. Cortado, Pulguita, Leche-Leche, Largo, Solo, Manchado, Pérez, Barraquito ... Dieselben Wörter ändern von Dorf zu Dorf ihre Bedeutung. Hier ist ein „Cortado“ nicht gerade der Madrider Cortado. Und ein „Café con leche“ wird nach der Angabe des Glases bestellt, nicht der Tasse. Willkommen in der Welt des kanarischen Kaffees – komplexer als die Starbucks-Speisekarte, unendlich besser und selten mehr als 1,50 €.
Solo-Kaffee ist reiner Espresso – klein, schwarz, intensiv, serviert in einer winzigen Tasse. Cortado ist Espresso mit einem Schuss Milch – die häufigste Bestellung, die von Einheimischen kommt, die morgens zur Theke eilen. Die Pulguita (wörtlich „der kleine Chip“) ist ein Mikro-Cortado: noch weniger Milch, noch mehr Kaffee, in einem Likörglas. Es ist der Dorfkaffee um 7 Uhr morgens – stark, schnell, ohne viel Aufhebens. Am anderen Ende des Spektrums ist Café con Leche ein in heiße Milch getauchter Espresso – das bestellen Touristen, wenn sie nicht wissen, was sie essen sollen. Der manchado („fleckig“) ist das Gegenteil: viel Milch, ein Kaffeefleck. Es ist der Snack für Kinder und Leute, die keinen Kaffee mögen, aber trotzdem mitmachen wollen.
Leche-Leche ist das kanarische Süßgetränk: Espresso, serviert in einem Glas, mit einer Schicht gesüßter Kondensmilch am Boden und heißer Milch darüber. Kein Alkohol, keine Zitrone, kein Zimt – nur die Süße der Kondensmilch, die den Kaffee karamellisiert. Es ist der Kompromiss zwischen einem Kaffee und einem Dessert. Die Kanaren trinken ihn zu jeder Zeit – zum Frühstück, nach dem Mittagessen, zum Nachmittagstee, am späten Abend. Wenn Barraquito das Sonntagskostüm des kanarischen Cafés ist, ist Leche-Leche sein Alltagsoutfit.